Kennt ihr diese Tage, die von einem komischen Gefühl begleitet werden, durchgehend von morgens bis abends?
Gestern hatte ich so einen Tag.
Er fing eigentlich ganz normal an und, mal ganz objektiv betrachtet, eigentlich auch echt gut. Ich kann mich sowieso gar nicht beschweren, wie meine Tage zur Zeit so aussehen:
Ich habe keine beruflichen Verpflichtungen, kann den ganzen Tag bei meiner Familie sein, erlebe einen – für meine Verhältnisse – noch vor einem Jahr unvorstellbaren Luxus eines eigenen (Miets-)Hauses, mitten im Allgäu; meine Kinder sind gesund, meine Ehe glücklich und eigentlich ist alles gut.
Warum dann aber dieses miese Gefühl, welches sich in schlechter Laune, Gereiztheit und einer niedrigen Frustrationsschwelle widerspiegelt?
Keine Ahnung! So eine Kacke!

Vorwärts, immer vorwärts soll’s gehen

Ich liege nun in meinem Bett und reflektieren diesen 17. August 2017.
Habe ich mir nicht fest vorgenommen, jeden Tag als etwas Besonderes wertzuschätzen? Was bedeutete dieser Tag in meinem Leben?
Ich bin aufgestanden, habe meine Kinder und mich versorgt, habe meinen Kindern beim Spielen zugesehen, habe meditiert, habe geruht, war mit den Kindern im Freibad, habe Sport gemacht und gerade das neue Telefon von meiner Frau eingerichtet.
Inwiefern hat mich das heute vorangebracht? Habe ich heute etwas gelernt? Konnte ich meinen Kindern etwas zum Wachstum beitragen?
Während ich diesen Text schreibe, bemerke ich erst meinen inneren Drang nach stetiger Vorwärtsbewegung. Und einen leichten Egozentrismus.
Ich spüre, das Tage, die einfach nur von Gemeinschaft, Alltagsdingen und Planlosigkeit geprägt sind, unheimlich wichtig sein müssen. So viele Tage in meinen Leben hatten diese drei genannten Komponenten in sich. Viele nur ein oder zwei dieser Dinge. Wenige waren megaereignisreiche, supertiefgründigverändernde und extrem wichtige Tage. Aber wie könnten diese wenigen Tage in meinen Erinnerungen strahlen, wenn diese Alltagsbasis nicht wäre?
Klar, die Vorstellung, jeden Tag mindestens einen Schritt in Richtung Erleuchtung und Perfektionismus voranzukommen ist gewiss auch verlockend. Ich wäre weiser, schöner und gefragter als alle anderen. Vermutlich aber auch immer einsamer. Ich würde die Wunder des Alltags nicht mehr sehen, würde mich in meinem Wachstum immer mehr von meiner geliebten Familie entfernen und wäre süchtig nach Wertschätzung von außen. Ich würde meinen individuellen Kern nicht mehr sehen können und wäre somit nicht mehr der Mensch, der für einige Mensch(leins) so unersetzlich ist. 

Gestern bekam ich einen Einblick in dieses Szenario. Dieser Wunsch nach täglich bahnbrechender Vorwärtsbewegung machte mich unfrei und blind. Ich war nicht frei genug, den Moment zu genießen. Ich vergaß, dass ich mir noch vor drei Monaten genau das gewünscht habe: Zeit im Überfluss, für meine Familie und mich. Ich vergaß, dass eine Bewegung nach vorne von vielen kleinen Bewegungen abhängig ist und auch von Pausen. Meine Kinder hatten gestern viel Freude, beim Spielen mit den Nachbarskindern (was für ein Geschenk, genau neben dieser Familie wohnen zu können), beim Freibadbesuch, bei der eins-zu-eins-Zeit mit ihrer Mama. Sie haben das Glück, ihre beide Eltern einen ganzen Tag um sich zu wissen und das schon seit zweieinhalb Monaten. Für meine Kinder hat sich in den letzten 10 Monaten extrem viel verändert. Sie benötigen diese Pausen-Tage unbedingt. Ich übersah dies alles, bis heute morgen.

Achtsamkeit, wo bist du?

Also bitte mal einen Perspektivenwechsel eingehen!
Dieses komische Gefühl, welches ich diesen Tag anheftete, hätte durch etwas Achtsamkeit vertrieben werden können. 
Morgens war ich genervt von unserem Jüngsten. Quengelig und anhängig kann man schon mal sein, wenn einem gerade die unteren Eckzähne durchs Zahnfleisch stoßen. Leider bemerkte ich das erst beim abendlichen Zähneputzen. 
Das Bild, welches meine Tochter mir gestern malte, dann aber wütend zerriss, hätte nicht mit ihrem Namen beschriftet werden müssen, so wie ich es von ihr erbat. Ich hätte ihren Namen doch selbst notieren können, im Wissen, dass sie ihren Namen noch nicht so richtig schreiben kann, was sie extrem frustriert. 

Wenn ich doch schon bemerke, dass ich mit einem komischen Gefühl aufwache, sollte ich doch dem nicht gleich achtsam gegenübertreten, um mein Umfeld damit nicht den ganzen Tag zu vergiften. 
Hinterher weiß man immer mehr.

Und da ist sie doch, die Bedeutung dieses 17. Augustes 2017: An diesem Tag war ich blind und gefangen in meiner eingeschränkten Perspektive. Dieser Tag war notwendig, damit der 18. August 2017 von mehr Achtsamkeit geprägt wird – und die Folgetage ebenso. Heute bin ich ein Stück vorangekommen. 

 

Lucas

2 thoughts on “Ein bedeutender Tag”

  1. Hi Lucas,

    ein wunderbarer und sehr ehrlicher Beitrag. Eins möchte ich dir mit auf den Weg geben was mir nach ähnlichen Tagen hilft. Wir sind alles nur Menschen und wir haben gute und schlechte Tage und das immer wieder im Wechsel auch wenn unser Leben eigentlich Fabelhaft ist. 🙂

    LG

    Björn

    1. Hey Björn,

      vielen Dank! Du hast recht, wir sind alle nur Menschen, machen Fehler und das ist gut so – und das sollen unsere Kinder ja auch wissen.
      So ist jeder Tag besonders und hält eine neue Lektion fürs Leben bereit.
      Beste Grüße an Dich und deine Family!

      Lucas

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