Ich bin etwas frustriert!

Und das, obwohl ich vor kurzem selbst über die Überwindung von Frustquellen geschrieben habe (kannste alles hier nachlesen).

Was mich so frustriert, ist diese Abhängigkeit und die ständige Konfrontation mit Zahlen, welche mich in eine Form pressen (wollen) und meinen ganzen Tag bestimmen.

Das fängt morgens an: ich schaue auf die Uhr. Oh! Schon 6:30 Uhr. Schon ist gut…
Aber 7:33 Uhr kommt mein Bus. Ich brauche zwar nur ca. 5 Minuten bis zur Bushaltestelle, aber vorher muss ich noch einplanen, den Kindern die Windeln zu wechseln, evtl. was zu Essen zu machen und mich selbst etwas von den nächtlichen Gerüchen zu befreien.
Wenn ich meine Tochter in die Kita bringe, muss ich sie morgens antreiben, sich schneller anzuziehen, sich die Zähne zu putzen, und Nein: ich kann jetzt nichts vorlesen, weil doch unser Bus bald kommt.

Die Busfahrt ist ein kleiner Ruhepol, zwischen dem Leben Zuhause und dem Leben in der Welt. Ich kann mit Lielle reden, scherzen, singen, träumen.

Doch kaum sind wir ausgestiegen, geht das Antreiben weiter. Schnell, ich muss Dich zur Kita bringen und dann schnell auf Arbeit. Du weißt schon, die Sekunden – 60 in der Minute – verstreichen. Und die Minuten – 30 in einer halben Stunde – ebenfalls. Und, nein: wir können im Parkteich jetzt nicht nach den Goldfischen suchen, obwohl ich das sehr gern und ausgiebig mit Dir machen würde, weil ich doch arbeiten muss.

Müssen die Kinder sich nicht immer an 2. Stelle fühlen?
Die Eltern geben die Kinder schnell ab, weil die Arbeit ruft.

Dann auf Arbeit kommt die geballte Zahlenfront auf mich zu. Ich bin zur Zeit in einem Onlinehandel im Einkauf tätig. Ich muss also Artikelnummern in Katalogen eingeben, die richtige Mengenzahlen beachten, die Gesamtbestellmenge kontrollieren und den Einkaufspreis kontrollieren. Dazu noch Rabatte einkalkulieren. Ist ein Artikel mal nicht mehr vorhanden muss ich den Kunden absagen und ihnen ihr Geld zurückbuchen.

Zahlen, Zahlen, Zahlen.
Aaaaaaah!

Heut musste ich Rechnungen mit kleinen Nummern-Schildchen bekleben und anschließend einscannen.
Ein Klebchen-Blatt hat 27 x 7 solcher 8-stelligen Nummern-Klebchen. Ich habe 3 solcher Blätter verklebt. Das sind also 189 Klebchen oder Rechnungen mit so einer oder einer ähnlichen Nummer drauf:
10-033497

Die Nummern erfassen die Rechnungen, auf denen wieder sehr wichtige Nummern stehen, die ich dann wiederum in Überweisungsvorlagen eingeben muss.

So verbringe ich meinen Tag und denke immer wieder darüber nach, was wohl jetzt meine Frau mit unseren Söhnen macht, und was wohl meine Tochter in der Kita erlebt. Und ich starre auf den Monitor und gehorche den Zahlen, in stiller Sehnsucht danach, meine Lebenszeit hauptsächlich mit meinen Liebsten verbringen zu können, anstatt 10 Stunden auf Arbeit zu sein und die 5 Tage in der Woche an mir vorbeifliegen zu sehen.

Was hast du die letzten Tage so gemacht?
Gearbeitet.

Kann das alles sein?

Aber ja! Ich brauche die Arbeit, um Geld zu verdienen.
Damit mich diese Zahlen auf meinem Konto nicht noch mehr unter Druck setzen können.
Man muss ja auch Miete ZAHLEN, und für sein Essen ZAHLEN und und und…

 

 

Puh!

…aber so ist das nun mal!
Psssst!

…aber…
Psst!

Warum muss es so sein?

Warum schuften wir dafür, dass aus den roten Zahlen, schwarze Zahlen werden?

Warum muss man dafür zahlen, leben, essen, wohnen zu dürfen und Kleidung tragen zu können?

Ich weiß, ich weiß.
Das ändert ja alles nichts.
Aber wisst ihr, ich habe meinen eigenen Vater stets schuften sehen.
Er ging am Morgen und kam am Abend. Müde und ausgelaugt. Berechtigter Weise.
Ich habe auch noch weitere, schöne Erinnerungen mit meinem Vater, aber der Großteil besteht daraus, das der Vater halt arbeiten war.
Lielle sagte vor kurzem auf dem Weg zur Kita:
„Papa, ich möchte nicht mehr, dass Du arbeiten gehst.“

Ich auch nicht, sagte ich.
Das liegt nicht an meine derzeitigen Arbeit, sondern an der Notwendigkeit, arbeiten zu gehen.
Ich hätte gern mehr Zeit zum Reisen, zusammen mit meiner Familie.
Mehr Zeit zum Schreiben. Mehr Zeit, um Goldfische zu suchen und Bücher vorzulesen.
Wenn ich dann 18:30 Uhr nach Hause komme, ist es schon wieder Zeit für die Kinder, ins Bett zu gehen. Ich sehe sie also effektiv 3 Stunden von 24 am Tag.
Das macht kein Spaß!

Daher der Frust.

Aber was soll und kann man nun dagegen machen?

Die Sundance Family zeigt es.
Sie ist eine große Inspiration.
Man darf träumen und
Träume wahr
werden
lassen.

Ich werde nicht aufhören von immer mehr und mehr Freiheit zu träumen.
Nachdem wir es schafften, ohne Job, ohne feste Unterkunft und ohne jemanden hier zu kennen, als fünfköpfige Familie von Berlin nach Bayern zu ziehen, werden wir auch vieles andere schaffen.
Ehrlich, dieser Schritt hat mir ein ganz anderes (Selbst-)Bewusstsein verliehen.
Ich fühle mich hier freier, kann tiefer atmen und mehr lächeln.

Ich würde gern noch mehr Freiheit erlangen.
Würde gern meine Zeit mit Dingen und Menschen verbringen, die ich liebe.
Ich würde gern als präsenter Vater in Erinnerung bleiben – und nicht als der Vater, der halt immer arbeiten war.

Alles ist möglich.

Alles.

Danke für Eure Zeit 😉

 

P.S: manche Zahlen sind jedoch sehr schön und wertvoll. Denn wir sind 5. Nicht 4 oder 3, nein 5. Wären wir nicht 5, wären wir nicht komplett. Ich bin dafür sehr dankbar, über die 5. 🙂

9 thoughts on “Ein Knecht der Zahlen”

  1. Ich wünsche dir und deiner Familie von Herzen eine blitzschnelle Erfüllung dieses Traumes, lieber Lucas <3 Alles ist möglich!

  2. Ein herrlicherArtikel Lucas, ganz wie aus meinem Leben geschnitten. Da kann ich nur sagen: herzlich willkommen in meinem nun schon 10 jährigen Lebensalltag! Ich weißganz genau wie du dich fühlst! Vielleicht kannst du nun nachvollziehen, warum ich all meine Hoffnung und übrig gebliebenen Kräfte in Amway lege. Ich habe aus nächster Nähe erfahren können dass dies zur perfekten Alternative werden kann. Es bedarf nur an Glaube und Ausdauer. Dir weiterhin viel Mut und Kraft. Alles Liebe, Sally.

  3. Ich glaube, jeder, der andere Lebensziele hat, als sich seine Taler im Tresörchen zu beschauen, um sich damit die Kinkerlitzchen dieser Welt anzuschaffen, der denkt ungefähr dasselbe wie Du.
    „Arbeiten, um zu leben.“, wie es z.B. die Dänen tun (habe ich mir jedenfalls sagen lassen), nicht anders herum – und dabei genug Zeit für sich und seine Lieben zu haben; das wäre großartig.
    Aber, weißt Du, mit dem Wünschen ist das eigentlich eine ganz gute Angelegenheit: solange man ein Ziel hat, einen Fixstern im Leben, solange kann man daran glauben. Und ich bin (trotz aller Zweifel, siehe neulich) der festen Überzeugung, dass man eines schönen Tages genau dort, bei seinem Ziel, ankommt.

    Deswegen ist alles gut. 🙂

    Alles Liebe für euch!

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